Recherche in Coronazeiten


Warum ordentliche Recherche gerade in Coronazeiten so wichtig ist.


Die Journalistin Corinna_Cerruti hat sich nichts dabei gedacht, den Abend in einer brechend vollen Kneipe zu verbringen. Sie hat sich nichts dabei gedacht, andere Barbesucher mit Umarmungen zu begrüßen. Und sie hat sich nichts dabei gedacht, nach einer "feuchtfröhlichen Nacht" aus der Kneipe zu "wanken". Nach dem Rausch ist sie sich aber sicher, dass die Gesundheitsämter Fehler gemacht haben.


Ob jemand als Kontaktperson der Kategorien I bis III eingestuft wird, hängt vor allem von der Enge des Kontaktes zu einer bestätigt infizierten Person ab. Kategorie I setzt einen mindestens 15-minütigen "face-to-face" Kontakt voraus. Oder den Austausch von Körperflüssigkeiten. Die Einstufung in Kategorie I kann aber auch dann angezeigt sein, "wenn die Person mit hoher Wahrscheinlichkeit einer relevanten Konzentration von Aerosolen ausgesetzt war".


Wer zur Kategorie I gehört muss in Quarantäne. Nach ein paar Tagen kann ein Test erfolgen. Das passiert insbesondere, wenn Symptome auftreten. Da die Testkapazitäten derzeit mehr als ausreichend sind, kann das auch ohne Symptome erfolgen, um die Quarantäne zu verkürzen.


Die Berliner Gesundheitsämter müssen für eine Entscheidung über das Vorgehen also die Enge des Kontaktes und die räumliche Situation während des bekannt gewordenen Infektionsgeschehens herausfinden. Im Fall von Corinna_Cerruti und dem "Brauhaus neulich" stellt sich das wie folgt dar: es gibt verschiedene Innenbereiche, die unterschiedlich stark frequentiert, unterschiedlich groß und unterschiedlich gut belüftet waren. Und es gibt einen Außenbereich, der bei dem Wetter sehr gut besucht war.


Die Gesundheitsämter stützen sich bei der Zuordnung zu den Kategorien I bis III auf die Angaben der Betroffenen. Nicht nur, aber hauptsächlich. Niemand anders kann sagen, wie eng der Kontakt zu anderen Personen war und wo genau sie sich aufgehalten haben.


Darum ist es vollkommen normal und zeugt von der notwendigen Detailversessenheit meiner Männer und Frauen im Gesundheitsamt, wenn verschiedene Menschen verschiedene Zuordnungen bekommen. Jede Kontaktverfolgung ist ein Einzelfall. Jeder wird individuell nach seinem Gefährdungsniveau beurteilt.


Klingt kleinteilig? Klingt anstrengend? Klingt wichtig? Ja, ja und ja. Darum würde ich mir wünschen, dass gerade Journalisten so etwas vorher recherchieren. Und dass wir alle einen Respekt und eine Dankbarkeit für die Menschen entwickeln, die sich seit Monaten gegen die Pandemie stemmen. Das heißt nicht, dass keine Fehler passieren. Es heißt, dass wir den Experten vertrauen sollten, anstatt beim Abwaschen festzustellen, dass wir es ja sowieso besser wissen.


Liebe alle, nehmt die Pandemie ernst. Und wenn die Kneipe / das Restaurant / der Spielplatz zu voll sind, geht weg. Wenn ihr ein ungutes Gefühl habt, geht weg. Vermeidet unnötige Risiken. Eure Großeltern und Menschen mit Vorerkrankungen werden es euch danken.

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