Quarantänehäuser in Neukölln

20/06/2020

Spiegel TV hat mit einer Bewohnerin eines der Häuser in unserem Neukölln gesprochen, die derzeit unter Quarantäne stehen. Die Bedenken von Lisa D. nehme ich ernst.

 

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir uns im Bezirk die Entscheidung, mehrere hundert Haushalte unter Quarantäne zu stellen, nicht leicht gemacht haben. Es war notwendig, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. Und wenn wir auf diese schlimme Situation für die Menschen angemessen reagieren wollen, gehört der Blick auf die soziale Lage dazu.

 

✅ Es ist relevant, dass es dort sehr beengte Wohnverhältnisse gibt. Individuelle Hygienemaßnahmen sind weniger erfolgsversprechend, wenn teilweise 10 Menschen auf 70 m² leben. Unter anderem deswegen war die Quarantäne ganzer Hausblöcke notwendig.

 

✅Es ist relevant, dass wir es zum großen Teil mit bildungsfernen Menschen zu tun haben, die kaum bis gar kein Deutsch sprechen. Wer unsere Anordnungen nicht versteht, wird sich nicht an sie halten (können). Darum nutzen wir Sprachmittler und im Kiez verankerte Sozialarbeiter.

 

✅ Es ist relevant, dass wir es mit sozial schwachen Familien zu tun haben. Materielle Ressourcen helfen in einer solchen Krise. Wer sie nicht hat, ist zusätzlich betroffen. Darum helfen wir zusammen mit dem THW Neukölln und weiteren Ehrenamtlichen, um die Versorgung sicherzustellen.

 

✅ Und es ist relevant, dass die Infektion sich innerhalb einer großen Gemeinschaft ausgebreitet hat. Die Prognose ist gut, da sich die bisher bekannten Infektionen in einer weitgehend abgeschotteten Community bewegen. Das bedeutet tendenziell wenige externe Kontakte und eine eher geringe Gefahr, dass das Virus auf weitere Personen übertragen wurde. Eine Entwarnung ist das aber nicht.

 

Aus allen diesen Faktoren ziehen wir Schlüsse für die Bekämpfung des Virus. Wer dem Bezirk da übrigens Diskriminierung vorwirft, verkennt die viele Arbeit, die unser Neukölln seit Jahren vor Ort leistet. Meist kommt sie von Menschen, die Neukölln nur aus den Zeitungen kennen und sich sonst kein bisschen für die Lage im Kiez interessieren.

 

Ich nehme Kritik hin. Auch dann wenn sie anlasslos, polemisch, vollkommen unreflektiert und reflexhaft vorgetragen wird. Das gehört gewissermaßen zu meiner Jobbeschreibung. Was ich aber nicht dulden werde, ist solche Kritik an den Männern und Frauen meines Gesundheitsamtes, die seit Monaten (!) übermenschliches leisten, private Belange hinten anstellen und sich zum Wohle des Bezirkes das Futter aus dem Ärmel reißen.

 

Wer diese Lage zum Anlass nimmt, um seine politische Agenda zu betreiben, hat den Ernst der Lage nicht verstanden. Es geht darum, diese und weitere Menschen vor dem Virus zu schützen. Es kann nicht sein, dass das politisch ausgenutzt wird.
 

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