Gedenken an einsam Verstorbene

20/01/2020

In der Philipp-Melanchthon-Kirche in Neukölln fand am Sonntag, den 19. Januar, zum ersten Mal eine Trauerfeier für die ordnungsbehördlich bestatteten Neuköllnerinnen und Neuköllner des vergangenen Jahres statt.

 

Im Jahr 2019 wurden 242 Bürgerinnen und Bürger unseres Bezirks ordnungsbehördlich bestattet. Sie wurden tot aufgefunden und dann ohne Angehörige beigesetzt. „Aufgefunden in einer Wohnung, oft erst nach Tagen – oder irgendwo am Straßenrand“, wie Pfarrer von Campenhausen es in seiner Ansprache ausdrückte.

 

„Lebenssatt im Kreise seiner Liebsten zu sterben und dann betrauert und würdig beerdigt zu werden – das ist nicht jedem vergönnt“, so von Campenhausen weiter. Jener, denen dieser Respekt nicht zu Teil wurde, gedachten die Trauernden stellvertretend für alle.

 

Um die Toten zu ehren, wurden ihre Namen verlesen – begleitet von Orgelmusik und Chorgesang. Denn der Name ist mehr als Schall und Rauch und steht für die ganze Person, wie sich Pfarrer von Campenhausen ausdrückte.

 

Ein Grußwort sprach der Gesundheitsstadtrat und stellvertretende Bezirksbürgermeister Falko Liecke. Er betonte, das Gedenken stehe den Verstorbenen ganz unabhängig davon zu, wie sie ihr Leben gelebt haben. „Einfach nur, weil sie Menschen, weil sie Neuköllnerinnen und Neuköllner waren.“

 

Im Hinblick auf Einwände und Bedenken gegen solche Trauerfeiern verdeutlichte Liecke den universellen Charakter des Totengedenkens: „Ganz unabhängig von allen juristischen Spitzfindigkeiten und Bedenken ist für mich klar: das Gedenken an unsere Toten gehört zum Leben dazu. Und ein respektvolles Gedenken kann nicht falsch sein.“ Neukölln ist mit dieser neuen Form des Gedenkens um eine wichtige Tradition reicher.

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